Page 170 - EMF–Elektromagnetische Felder
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 Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 zeigt, wie elektromagnetische Felder die Zellphysiologie beeinflussen: Sie wirken auf die Produktion reaktiver Sauerstoffarten ein, auf die antioxidative Reaktion und auf die Funktionalität der Mitochondrien. Diese ist enorm wichtig bei Aufnahme und Bewahrung der biologischen Kompetenz von Ei und Sperma. Offenbar schränken EMF die Mitochondrienfunktion bei Ei und Sperma ein und reduzieren auf diese Weise die Fruchtbarkeit. 117
Interessanterweise hat sich bei Ratten herausgestellt, dass elektromagnetische Felder die Fruchtbarkeit vermindern, indem sie die Testosteronspiegel senken. Bei einem Versuch setzte man Ratten 45 Tage lang 2 Stunden lang täglich Frequenzen von 900 Megahertz oder 2,45 Gigahertz aus, also den Frequenzen, auf denen Mobiltelefone senden. 118 , 119 Allein das reichte aus, die Testosteronspiegel der Tiere signifikant zu senken. 2 Stunden sind aber deutlich weniger als die 5 Stunden, die der typische Amerikaner Tag für Tag mit seinem Mobilfunkgerät verbringt. 120
Auch die Fruchtbarkeit von Frauen ist anfällig für elektromagnetische Felder. Das liegt auch daran, dass EMF das fragile Gleichgewicht stören, in dem sich die Fortpflanzungshormone des weiblichen Körpers befinden. Dafür spricht auch eine Studie aus dem Jahr 2008, an der Frauen teilnahmen, die bei der Arbeit elektromagnetischen Feldern ausgesetzt waren – ganz genauso, wie es vermutlich auch bei Ihnen der Fall ist. Die Forscher stellten fest, dass die Progesteronspiegel der Frauen sanken und der Menstruationszyklus signifikant gestört wurde. Unter anderem kam es zu starken Blutungen. 121
Ein weiterer Mechanismus, durch den EMF vermutlich die weibliche Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, ist oxidativer Stress. Freie Radikale können Gewebeschäden verursachen, unter anderem an den Oozyten (unreifen Eizellen) und den Embryonen. 122 Möglicherweise erklärt das auch, warum EMF bei Ratten die Zahl der Follikel reduzieren, also der kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Säcke auf der Außenschicht der Eierstöcke, von denen jeder eine Eizelle enthält. 123
In zwei anderen Studien untersuchten die Wissenschaftler Testpersonen, die in weniger als 100 Meter Abstand zu einem Sendemast lebten. Im Speichel der Personen zeigten sich überdurchschnittlich hohe






























































































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